Wie viel Entertainment braucht ein Welpe

Welches Kinderprogramm läuft in einem intakten, gesunden Rudel?

Es wird ausgiebig geschlafen und gechillt. Bei Muttern getrunken, das kleine und das große Geschäft erledigt. Später folgt das Toben mit den Geschwistern. Grenzen werden bei den Erwachsenen ausgelotet und Rüffel beim Übertreten eingesteckt. Die Umgebung wird erkundet und gegebenenfalls ein weiterer Rüffel riskiert. Dort, wo die Gruppe hingeht, geht auch der Kleine hin. Der Nachwuchs lernt, sich an und in der Gruppe zu orientieren. Die Gruppe gibt klare Regeln und Strukturen vor, gibt Sicherheit und Halt. Vor allem aber lernt ein Welpe: Was für die Gruppe keine Bedeutung hat, hat auch für ihn keine Bedeutung. Geht das Leittier souverän mit Außenreizen um, gibt es für den Einzelnen keinen Grund, darauf zu reagieren.

Welches Programm erwartet den Welpen im klassischen Mustermenschenschen“rudel“?

Der Welpe zieht ein und die ersten Reisegruppen melden sich an. Wenn sie nicht gar schon fußscharrend auf dem Abtreter Einlass begehren. Die fütterwütige Oma Käthe, die tierliebe Frau Nachbarin, die Familie am Ende der Straße (schließlich haben die auch so einen netten Hund), die gesamte Schulklasse der jüngsten Tochter mit zahlreichen Kuschel-und Grabschfingern, die Freundin des ältesten Sohnes und Onkel Klaus, der Hundekenner mit seinen wertvollen Ratschlägen sowieso. Jeder darf ein klein wenig hinknuddeln, ist ja auch zu süß, wie der Kleine sich freut.
Der neueste Schrei sind Babypartys, mit anderen Hunden und deren „Mamas“. Die Anmeldung in der Welpenstunde erfolgt in Vorfreude, lange vor Einzug, schließlich brauche der Kleine Sozialkontakte. Zur „Einschulung“ werden Schultüten gebastelt. Außerdem müsse der Welpe möglichst früh alles kennenlernen: fremde Menschen, Kinder, Artgenossen, Katzen, Schafe, Pferde, Kühe, den Straßenverkehr, Rolltreppen, die Fußgängerzone, Autofahren, Busfahren, Schwimmen…

Hat der Welpe brav alles kennengelernt, so hat er auch zugleich gelernt, dass all das eine Bedeutung für ihn hat. Er wächst und gedeiht, und nun rennt er – pflichtbewusst wie er nun mal ist – überall hin.

Uuuups… eigentlich wollen wir das ja gar nicht. Er soll zwar zu Hund x, aber Hund y ist tabu. Wir freuen uns ja, dass er mit Kindern gut kann, aber er soll doch nicht zu jedem Kind. Schön, dass er keine Angst vor Kühen hat, aber das mit dem Elektrozaun ist irgendwie doof…

Erst geht es in die Hundeschule, um den Hund mit allem vertraut zu machen, und danach wird das nächste Zehner-Ticket gelöst, um ein Abbruchsignal zu konditionieren. Es wird dressiert und konditioniert, damit der Hund funktioniert.

Fazit

Wir Menschen sind häufig damit beschäftigt, uns anzupassen. Das Bedürfnis, gemocht und akzeptiert zu werden, ist groß. Wir kümmern uns häufig mehr um unsere Wirkung auf Andere, als darum, authentisch zu sein. Häufig ist das, was wir meinen für Andere tun zu müssen, nicht das, was der Gegenüber möchte oder gut für ihn ist. Es kommt zu Missverständnissen, zu Konflikten.

Dieses Verhalten wird im Umgang mit Hunden ebenso ersichtlich. Wir sind am Machen und Tun, „Der Hund braucht…“ und; „Ich muss doch…“

Ein Rudel bedarf keiner Hundeschule. Es organisiert sich perfekt, der Welpe entwickelt sich zu einem ausgeglichenen, selbstsicheren, zufriedenen Hund, der seinen Platz gefunden hat. Das genügt ihm und alles mehr wäre zu viel.

Vielleicht machen wir es uns häufig unnötig schwer, weil wir der Meinung sind, ständig etwas tun zu müssen. Vielleicht müssen wir ja gar nicht. Vielleicht reicht es aus, einfach nur zu sein.